Benzinmargen in Nordwesteuropa fallen um über drei Dollar
Steigende Lagerbestände und schwache Nachfrage drücken die Raffineriemargen für Benzin in Nordwesteuropa auf 38,64 Dollar pro Barrel.

Die Raffineriemargen für Benzin in Nordwesteuropa sind am Freitag um mehr als drei US-Dollar auf 38,64 Dollar pro Barrel gefallen. Als Hauptursachen gelten steigende regionale Lagerbestände sowie eine begrenzte Handelsaktivität auf den einschlägigen Plattformen. Der Rückgang trifft einen Markt, der zuletzt von erhöhten Margen geprägt war.
Im Handel auf der Plattform Argus wechselten 2.000 Tonnen Eurobob-E5-Binnenschiffe den Besitzer, wobei das Unternehmen Sahara an Gunvor verkaufte. Zusätzlich wurden 4.000 Tonnen Eurobob-E10-Binnenschiffe gehandelt – hier veräußerte Trafigura die Ware an Varo. Eurobob ist ein ungemischtes Basisprodukt für Ottokraftstoff, das in Europa als Handelsstandard gilt.
Lagerbestände im ARA-Raum stark gestiegen
Besonders auffällig ist der Anstieg der unabhängig gehaltenen Benzinvorräte im bedeutenden Raffinerie- und Lagerzentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen, kurz ARA. Diese kletterten um 21 Prozent. Laut Daten von Insights Global ist der Anstieg auf ein höheres Produktionsniveau, eine geringere Binnennachfrage sowie fehlende Exporte zurückzuführen. Das ARA-Gebiet gilt als wichtigstes Handelszentrum für Mineralölprodukte in Europa und ist ein zuverlässiger Indikator für die Versorgungslage auf dem Kontinent.
Auch die Naphtha-Bestände in der Region legten deutlich zu: Sie stiegen um 31 Prozent und erreichten damit den höchsten Stand seit Februar. Auslöser waren vermehrte Importe, die das Handelszentrum erreichten. Naphtha ist ein wichtiges Vorprodukt sowohl für die Petrochemie als auch für die Kraftstoffproduktion.
Russland verlängert Exportverbote bis 2027
Ein weiterer marktrelevanter Faktor: Die russische Regierung hat ihre Exportverbote für Diesel und Benzin bis zum 31. Januar 2027 verlängert. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung hervor. Russland hatte die Exportbeschränkungen ursprünglich eingeführt, um die heimische Versorgung zu sichern. Die Verlängerung bis 2027 signalisiert, dass Moskau auch mittelfristig an dieser Politik festhält – mit potenziellen Auswirkungen auf die globalen Kraftstoffmärkte.
Auf Unternehmensseite übertraf Chevron am Freitag die Erwartungen der Analysten für das zweite Quartal und verzeichnete den höchsten Quartalsgewinn seit mindestens sechs Jahren. Als Treiber gilt unter anderem der US-israelische Konflikt mit dem Iran, der die weltweiten Energiemärkte gestört und die Gewinne großer Ölkonzerne beflügelt hat.
EZB sieht Raffineriemargen als Preistreiber
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich ebenfalls zu dem Thema geäußert. In einem am Freitag veröffentlichten Blogbeitrag stellte die EZB fest, dass die in den letzten Monaten auf nahezu Rekordniveau gestiegenen Raffineriemargen zu den erhöhten Kraftstoffpreisen in der Eurozone beigetragen haben. Der Beitrag deutete zudem darauf hin, dass ein weiterer Anstieg der Margen im August noch wahrscheinlich sei, bevor diese wieder sinken dürften. Für deutsche Verbraucher ist dies relevant, da höhere Raffineriemargen direkt auf die Preise an der Zapfsäule durchschlagen können.
