Banken unter Druck: Kursverluste im europäischen Finanzsektor
Zinssorgen und Konjunkturängste belasten Anlegervertrauen – Commerzbank besonders betroffen

In der vergangenen Woche erlebten die Aktienmärkte einen deutlichen Rückgang, wobei insbesondere europäische Bankaktien stark unter Druck gerieten. Die Investoren reagierten mit zunehmendem Misstrauen gegenüber den großen Finanzinstituten, da sie befürchten, dass die aktuellen Turbulenzen an den Kapitalmärkten sich negativ auf die Banken auswirken könnten. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass der breite Stoxx 600 Europe Index in den letzten sieben Tagen trotz einer leichten Erholung seit Mittwoch um 2,5 Prozent gefallen ist. Im Vergleich dazu verzeichneten die Bankaktien einen Rückgang von 3,9 Prozent. Auch deutsche Banken blieben von dieser Entwicklung nicht verschont: Der Kurs der Deutschen Bank sank um fünf Prozent, während die Commerzbank sogar einen Kursverlust von fast 14 Prozent hinnehmen musste.
Besonders bemerkenswert war der Rückgang der Commerzbank-Aktie am Tag der Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen. Am Mittwoch verlor die Aktie zeitweise fünf Prozent ihres Wertes. Analysten machen für diese Entwicklung neben individuellen Faktoren auch die allgemeine Unsicherheit an den Weltbörsen verantwortlich. Die Analysten von JP Morgan kritisierten unter anderem, dass die Risikovorsorge der Commerzbank für gefährdete Kredite im zweiten Quartal zwar leicht zurückging, aber dennoch höher ausfiel als erwartet. Die Risikovorsorge belief sich auf 199 Millionen Euro, während sie im Vorjahr noch bei 208 Millionen Euro lag. Diese Entwicklung nährt die Sorge, dass eine mögliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage zu einer weiteren Belastung für die Banken führen könnte.
Die Unsicherheit an den Märkten wird zusätzlich durch die Befürchtung verstärkt, dass die US-Wirtschaft in eine Krise abrutschen könnte. Dies führte zu Spekulationen, dass die Notenbanken ihre Zinspolitik anpassen müssen, um die Konjunktur zu stützen. Solche Zinssenkungen würden jedoch die bisherigen Vorteile der Banken aus der Zinswende nach oben schmälern und ihre Ergebnisse negativ beeinflussen. Während die US-Notenbank Federal Reserve im September eine erste Zinssenkung in Erwägung zieht, hat die Europäische Zentralbank bereits im Juni ihre Leitzinsen gesenkt, was zu einem leichten Rückgang des Zinsüberschusses der Commerzbank im zweiten Quartal auf knapp 2,1 Milliarden Euro führte.
Die Analysten von Keith, Bruyette & Woods (KBW) halten die Sorge um einen Einbruch der Zinserträge europäischer Banken allerdings für übertrieben. Trotz der Turbulenzen an den Märkten sehen sie keinen Grund für eine drastische Verschlechterung der Kreditqualität. Auch die Ratingagentur DBRS teilt diese Einschätzung und erwartet keine signifikanten negativen Auswirkungen auf die Kapitalisierung der großen globalen Institute, selbst nach dem Einbruch des Nikkei-Index in Japan um mehr als zwölf Prozent. In den USA gehen die Experten von einer Abkühlung der Wirtschaft aus, jedoch ohne das Risiko einer Rezession.
