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Bank of Canada warnt vor Strukturwandel am Arbeitsmarkt

Stellvertretender Gouverneur Nicolas Vincent sieht Zinssenkungen als begrenzt wirksam – strukturelle Probleme könnten Inflation anheizen.

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Bank of Canada warnt vor Strukturwandel am Arbeitsmarkt

Die Bank of Canada schlägt Alarm: Nicolas Vincent, externer stellvertretender Gouverneur der kanadischen Zentralbank, warnte am Dienstag in einer Rede in Montreal, dass der Arbeitsmarkt des Landes einem tiefgreifenden Strukturwandel unterliege. Dieser Wandel erschwere geldpolitische Entscheidungen erheblich und schränke die Wirksamkeit von Zinssenkungen ein.

Vincent identifizierte drei zentrale Trends, die darauf hindeuten, dass es sich nicht um eine vorübergehende konjunkturelle Schwäche handelt: eine geringe Fluktuation am Arbeitsmarkt, eine steigende Langzeitarbeitslosigkeit sowie zunehmende Schwierigkeiten junger Menschen bei der Jobsuche. Diese Entwicklungen seien struktureller Natur und könnten durch geldpolitische Maßnahmen allein nicht behoben werden.

„Während die Geldpolitik die Wirtschaft bis zu einem gewissen Grad beim Übergang in Phasen der Umstrukturierung unterstützen kann, kann sie ein geringeres Angebot, das durch Faktoren wie Handelskonflikte oder die Alterung der Bevölkerung verursacht wird, nicht ausgleichen", sagte Vincent. Er warnte zudem: „Wenn wir die Nachfrage stimulieren würden, obwohl das Problem eher struktureller Natur ist, könnten wir Inflationsdruck erzeugen und gleichzeitig notwendige Umstrukturierungen in der Wirtschaft verzögern."

Niedriger Arbeitsmarktdynamik und steigende Langzeitarbeitslosigkeit

Ein zentrales Phänomen ist der sogenannte „Low hire, low fire"-Arbeitsmarkt: Arbeitgeber vermeiden zwar Entlassungen, zögern aber gleichzeitig, neue Mitarbeiter einzustellen. Vincent bezeichnete diesen Trend als Zeichen einer nachlassenden Dynamik. „Eine geringe Fluktuation ist ein Zeichen dafür, dass der Arbeitsmarkt weniger dynamisch ist als früher. In einem ‚Low hire, low fire'-Arbeitsmarkt besteht das Risiko, dass sich die Reallokation von Arbeitskräften aus weniger produktiven Sektoren in produktivere Sektoren verlangsamt", erklärte er. Die Alterung der Bevölkerung trage zu diesem Trend bei, da Unternehmen Schwierigkeiten hätten, erfahrene Mitarbeiter zu ersetzen.

Gleichzeitig ist die Langzeitarbeitslosigkeit in Kanada deutlich gestiegen. Der Anteil der Arbeitslosen, die seit mehr als sechs Monaten auf Jobsuche sind, hat den höchsten Stand seit Anfang der 2000er Jahre erreicht – abgesehen von den Ausnahmejahren der Covid-19-Pandemie. Als Schlüsselfaktor nannte Vincent die wachsende Kluft zwischen den Qualifikationen der Arbeitnehmer und den Anforderungen der Arbeitgeber. Stellenausschreibungen verlangten in den letzten zwei Jahren mehr Erfahrung als je zuvor, während gleichzeitig der Anteil der Menschen ohne jegliche Berufserfahrung gewachsen sei.

Jugendarbeitslosigkeit auf dem höchsten Stand seit Jahren

Besonders hart trifft die Verlangsamung bei Neueinstellungen junge Menschen. Nachdem die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen im Jahr 2022 mit 9 Prozent ein Rekordtief erreicht hatte, ist sie vier Jahre später auf über 14 Prozent gestiegen. Junge Menschen machen zudem fast ein Viertel der Langzeitarbeitslosen aus – ein Anteil, der sich seit 2022 mehr als verdoppelt hat.

Vincent nannte mehrere Faktoren für diese Entwicklung: Der starke Anstieg der Zuwanderung zwischen 2022 und 2024 habe den Wettbewerb um Einstiegspositionen verschärft. Die seither erfolgte Reduzierung der Zuwanderung sollte zwar helfen, doch das Qualifikationsmissverhältnis bleibe ein Problem. Darüber hinaus verwies Vincent auf die Künstliche Intelligenz als „weitere plausible strukturelle Erklärung", da Einstiegsjobs am stärksten von der Automatisierung bedroht seien. Ob KI bereits ein wesentlicher Faktor für die Jugendarbeitslosigkeit sei, lasse sich jedoch noch nicht abschließend beurteilen.

Kanadas Arbeitslosenquote lag im vergangenen Jahr insgesamt zwischen 6,5 und 7 Prozent, belastet auch durch US-amerikanische Zölle auf kanadische Waren. Vincent betonte, dass aggregierte Daten wesentliche Unterschiede zwischen temporären Schwankungen und dauerhaften Veränderungen verschleiern könnten – eine Warnung, die auch für Investoren und Marktbeobachter relevant ist, die die geldpolitische Ausrichtung der Bank of Canada im Blick behalten.

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