Arbeiterstreik in marokkanischer Kobaltmine belastet BMW-Zulieferung
Proteste wegen ausbleibender Löhne und mangelhafter Arbeitsbedingungen erschweren den Bergwerksbetrieb

In Marokko sorgt ein anhaltender Streik in der Kobaltmine Bou Azzer für Aufsehen. Die Mine, die Kobalt für den deutschen Automobilhersteller BMW liefert, ist seit Mitte Juli Schauplatz von Protesten, bei denen etwa 100 Arbeiter vor dem Bergwerk und dem Verwaltungsgebäude des Betreibers Managem gegen ihre Arbeitsbedingungen demonstrieren. Auf Plakaten, die in sozialen Netzwerken zu sehen sind, fordern die Streikenden in arabischer Sprache die Achtung der Arbeitsrechte und ein würdiges Leben. Der Streik hat bereits zu einer teilweisen Stilllegung der Mine geführt, die normalerweise etwa 1.000 Arbeiter beschäftigt.
Die Protestierenden sind überwiegend bei dem Subunternehmen Top Farage angestellt, das die Arbeiter als Leiharbeiter beschäftigt. Ein Streikender, der anonym bleiben möchte, berichtet, dass er und seine rund 250 Kollegen seit Juni keine Löhne mehr erhalten haben. Lokale Gewerkschaften werfen Top Farage vor, seit Jahren keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt zu haben, was zur Sperrung der Unternehmenskonten führte. Die Streikenden beklagen nicht nur die ausstehenden Löhne, sondern auch die schlechten Arbeitsbedingungen, die durch mangelnden Arbeits- und Gesundheitsschutz geprägt sind.
Die Arbeitsbedingungen in der Kobaltmine stehen seit längerem in der Kritik. Bereits im November 2023 hatten Recherchen von NDR, WDR und SZ Umweltprobleme an der Mine aufgedeckt. Proben aus einem nahegelegenen Fluss zeigten eine Arsenkonzentration, die weit über dem von der WHO festgelegten Grenzwert für Trinkwasser lag. BMW hatte daraufhin eigene Untersuchungen eingeleitet, die die Umweltprobleme bestätigten, jedoch keine klare Verbindung zum Minenbetrieb herstellen konnten.
BMW sieht sich aufgrund des deutschen Lieferkettengesetzes verpflichtet, Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen zu überprüfen. Das Unternehmen betont, externe Hinweise ernst zu nehmen und diesen in Zusammenarbeit mit dem Lieferanten nachzugehen. Trotz der aktuellen Vorwürfe und der anhaltenden Proteste hat BMW bislang keine umfassenden Untersuchungsergebnisse veröffentlicht. Auch der zuständige Auditor, die Responsible Business Alliance, hat keine Details zu den Prüfungen bekanntgegeben.
Die Unabhängigkeit der Prüfungen steht ebenfalls in der Kritik, da das Unternehmen SRK Consulting, das die Audits durchführt, auch andere Aufträge von Managem erhalten hat. Trotz Bedenken bezüglich möglicher Interessenkonflikte bestreitet SRK jegliche Befangenheit. BMW hatte nach den ersten Berichten angekündigt, die sozialen und ökologischen Bedingungen in der Mine weiter zu verbessern, bleibt jedoch bei der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse zurückhaltend.
