Apple kritisiert EU-Pläne zum KI-Zugang bei Google-Diensten
Apple warnt vor ernsthaften Datenschutz- und Sicherheitsrisiken durch EU-Maßnahmen, die KI-Wettbewerbern Zugang zu Google-Diensten ermöglichen sollen.

Apple hat sich am Mittwoch der Kritik von Google an den Bemühungen der EU-Kartellwächter angeschlossen. Der iPhone-Konzern warnte, dass geplante EU-Maßnahmen zur Öffnung von Google-Diensten für KI-Wettbewerber erhebliche Risiken für Datenschutz, Sicherheit und Nutzerschutz mit sich bringen würden. Damit reagierte Apple auf einen Aufruf der Europäischen Kommission zur Stellungnahme zu Maßnahmenentwürfen, die Google bei der Einhaltung des Digital Markets Act (DMA) unterstützen sollen.
Der DMA ist das EU-Gesetz über digitale Märkte, das darauf abzielt, die Marktmacht großer Technologiekonzerne einzuschränken. Im Kern der aktuellen Debatte steht die Frage, ob konkurrierende KI-Dienste mit Android-Apps interagieren dürfen sollen – etwa um E-Mails zu versenden, Essen zu bestellen oder Fotos zu teilen. Google hatte bereits zuvor erklärt, dass solche Vorschläge wichtige Datenschutz- und Sicherheitsvorkehrungen für europäische Nutzer untergraben würden.
Apples Interesse geht über den Google-Fall hinaus
Apple betonte in seiner Stellungnahme, ein starkes Interesse an dem Fall zu haben – und zwar aufgrund der eigenen Betriebssysteme für iPhones, iPads und Mac-Computer. Damit machte der Konzern deutlich, dass die Entscheidung der EU weitreichende Auswirkungen darauf haben könnte, wie Plattformen generell den KI-Zugang von Drittanbietern handhaben müssen. Apple ist selbst von EU-Vorschlägen zur Öffnung seines Ökosystems betroffen.
In seiner offiziellen Stellungnahme formulierte Apple scharfe Kritik: „Die Maßnahmenentwürfe werfen dringende und ernsthafte Bedenken auf. Sollten sie bestätigt werden, würden sie tiefgreifende Risiken für den Datenschutz, die Sicherheit und den Schutz der Nutzer sowie für die Integrität und Leistung der Geräte schaffen." Der Konzern verwies dabei besonders auf die Dynamik im KI-Bereich: „Diese Risiken sind besonders akut im Kontext der sich schnell entwickelnden KI-Systeme, deren Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Bedrohungsszenarien unvorhersehbar bleiben."
Apple zweifelt an technischer Kompetenz der EU-Kommission
Besonders brisant ist Apples Infragestellung der technischen Expertise der Europäischen Kommission. Der Konzern erklärte, die Kommission gestalte faktisch ein Betriebssystem neu und ersetze dabei die Beurteilungen von Google-Ingenieuren durch ihr eigenes Urteil – „das auf weniger als drei Monaten Arbeit basiert". Apple bezeichnete dies als „umso gefährlicher", da der einzige erkennbare Wert der Entwürfe offenbar ein „offener und ungehinderter Zugang" sei.
Diese Aussagen markieren eine ungewöhnliche Allianz: Apple und Google, die auf vielen Märkten direkte Konkurrenten sind, stehen in diesem Regulierungsstreit auf derselben Seite. Für deutsche und europäische Verbraucher ist die Debatte von besonderer Bedeutung, da der DMA speziell darauf ausgelegt ist, den europäischen Digitalmarkt wettbewerbsfähiger zu gestalten und kleineren Anbietern den Marktzugang zu erleichtern.
Die Europäische Kommission steht nun vor der Aufgabe, die eingegangenen Stellungnahmen zu prüfen und abzuwägen, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen angepasst werden müssen. Der Ausgang dieses Verfahrens könnte als Präzedenzfall dafür dienen, wie weit Regulierungsbehörden in die technische Architektur großer Plattformen eingreifen dürfen – eine Frage, die angesichts des rasanten Wachstums von KI-Anwendungen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
