Antofagasta-Aktien fallen: Kupferausblick für 2027 enttäuscht die Anleger
Der chilenische Kupferkonzern senkt die Produktionsprognose für 2027 und hebt die Kostenprognose an – die Aktie verliert mehr als 6%.

Die Aktien von Antofagasta (LON: AAL) sind am Donnerstag um mehr als 6% gefallen. Auslöser war eine schwächere Produktionsprognose für 2027 und eine Anhebung der Kostenschätzung. Der chilenische Kupferbergbaukonzern rechnet im kommenden Jahr mit einer Kupferproduktion zwischen 630.000 und 690.000 Tonnen.
Damit liegt die neue Guidance unter der ursprünglichen Prognose von 650.000 bis 700.000 Tonnen. Auch die Einschätzung von BMO Capital Markets von 703.000 Tonnen wird verfehlt. Die Aktie notierte am Donnerstag bei £33,40 je Stück, ein Minus von 6,4%. Die Marktkapitalisierung liegt bei nahezu £33 Milliarden ($44 Milliarden).
Die gedämpfte Prognose wirft Fragen darüber auf, wie schnell das milliardenschwere Expansionsprogramm von Antofagasta zu höheren Produktionsmengen führen kann. Die Anleger hatten auf einen Produktionsschub gehofft, während das Unternehmen wichtige Projekte an zwei seiner führenden chilenischen Standorte vorantreibt.
Die Details
RBC-Analysten Ben Davis und David Monus schrieben in einem Kundenmemo, die Guidance „impliziert kein Wachstum gegenüber der ursprünglichen Guidance für 2026“. Das gelte trotz verbesserter Erzgehalte in Los Pelambres und der geplanten Inbetriebnahme eines Ausbaus in Centinela.
Der BMO-Analyst Alexander Pearce sagte, der Mittelwert der 2027-Guidance von Antofagasta liege um 9% unter der Prognose der Bank. Er deutete an, dass die schwächere Prognose teilweise die anhaltenden Auswirkungen wetterbedingter Störungen dieses Jahres widerspiegeln könnte.
Neben der Produktion belastet auch die Kostenseite. Antofagasta erhöhte seine Volljahres-Prognose der Cash Costs vor Abzug von Nebenproduktengutschriften auf zwischen $2,60 und $2,70 pro Pfund, gegenüber zuvor $2,40 bis $2,60. Als Grund nannte das Unternehmen höhere globale Dieselpreise.
Pearce sagte, die Anhebung könne breitere Kostenbelastungen in der Bergbauindustrie signalisieren. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat gewarnt, dass die Spannungen auf dem Dieselmarkt bis 2027 anhalten könnten. Analysten von J.P. Morgan erwarten, dass die Produktionsprognose zu mitteldigitigen prozentualen Herabstufungen der konsensfähigen EBITDA-Gewinne für 2027 führen könnte.
Trotz der enttäuschenden Prognose meldete Antofagasta eine Kupferproduktion im dritten Quartal von 151.900 Tonnen. Das entspricht einem Anstieg von 7% gegenüber dem Vorquartal, getrieben durch höhere Ausgaben in Los Pelambres. Pearce sagte, das Ergebnis lag grob im Einklang mit den Erwartungen von BMO und spiegelte die Freigabe von Konzentrat wider, das während der Wartungsarbeiten an der Pipeline im zweiten Quartal zurückgehalten worden war.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.08.2026 berichtete aktien.news, dass Antofagasta seine Kupferproduktionsprognose für das Gesamtjahr 2026 gesenkt hat. Auslöser war extremes Wetter, das zur vorübergehenden Schließung der Vorzeige-Mine Los Pelambres in Chile geführt hatte. Der Konzern revidierte seinen Jahresausblick damals auf 625.000 bis 655.000 Tonnen Kupfer. Die Produktionskorrektur überschattete ein ansonsten starkes erstes Halbjahr: Das operative Ergebnis stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27 Prozent. Los Pelambres gilt als das wichtigste Produktionsasset des Konzerns.
Im August hatte Antofagasta seine Produktionsguidance für 2026 auf zwischen 625.000 und 655.000 Tonnen gesenkt, von zuvor geschätzten 650.000 bis 700.000 Tonnen. Zuvor hatten starke Regenfälle und Stromausfälle im Juli die Betriebsabläufe in Los Pelambres vorübergehend zum Erliegen gebracht.
Der Blick auf die Branche zeigt, dass Antofagasta mit Produktionsproblemen nicht allein ist. Bereits am 16.07.2026 berichtete aktien.news, dass der chilenische Staatskonzern Codelco, weltgrößter Kupferproduzent, in den kommenden Jahren nicht mit einem deutlichen Anstieg seiner Fördermengen rechnet. Verwaltungsratsvorsitzender Bernardo Fontaine erklärte vor einem chilenischen Kongressausschuss, dass die Produktionsrate voraussichtlich auf einem ähnlichen Niveau wie heute verharren werde.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die über London-Notierungen oder ETFs im Kupfersektor engagiert sind, ist die Meldung ein zweischneidiges Signal. Einerseits bleibt die operative Basis intakt: Die Quartalsproduktion stieg, und die großen Wachstumsprojekte liegen laut Unternehmen im Zeitplan. Andererseits verschiebt sich der erhoffte Produktionssprung nach hinten, während die Kosten steigen.
Die Kombination aus niedrigerer Produktionsprognose und höheren Cash Costs belastet die Gewinnperspektive. Analysten von J.P. Morgan rechnen mit mitteldigitigen prozentualen Herabstufungen der Konsens-EBITDA-Schätzungen für 2027. Solche Revisionen können den Aktienkurs auch über den ersten Handelstag hinaus belasten.
Hinzu kommt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der chilenischen Kupferproduktion. Die Probleme bei Antofagasta und die stagnierenden Aussichten bei Codelco deuten darauf hin, dass das Angebot aus dem wichtigsten Kupferland der Welt kurzfristig nicht deutlich wachsen dürfte. Für Anleger bedeutet das: Die These eines knappen Kupfermarkts bleibt intakt, die Umsetzung bei einzelnen Produzenten ist aber mit Risiken behaftet.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen kurzfristigen Störungen und strukturellen Problemen. Die wetterbedingten Ausfälle in Los Pelambres sind grundsätzlich temporär. Ob die Expansionsprojekte den versprochenen Produktionsschub tatsächlich liefern, wird sich erst mit der Inbetriebnahme im Jahr 2027 zeigen.
Ausblick
Antofagasta erklärte, dass seine großen Wachstumsprojekte in Centinela und Los Pelambres weiterhin im Zeitplan liegen, um die Bau- und Inbetriebnahmeaktivitäten im Jahr 2027 abzuschließen. CEO Iván Arriagada sagte: „Die Baumaßnahmen in unseren wichtigen Wachstumsprojekten in Centinela und Los Pelambres laufen gut, und wir haben die letzten Phasen jedes Zeitplans erreicht, bevor die Bau- und Inbetriebnahmeaktivitäten 2027 abgeschlossen werden.“ Weiter sagte er: „Diese Projekte werden signifikantes Wachstum liefern und die Resilienz unseres Portfolios stärken, und wir bleiben fokussiert darauf, jedes Projekt entsprechend den Erwartungen abzuschließen.“
Beim Centinela Second Concentrator Project begann das Unternehmen im dritten Quartal während der Vorkommissionierungstests mit dem Betrieb des Primärbrechers und des Förderbandes. Das Förderband erreichte seine ausgelegte Betriebsdrehzahl, während integrierte Leerlauftests an Schlüsselteilen des Materialhandlingsystems abgeschlossen wurden.
In Los Pelambres rückte der Bau der neuen Konzentrat-Pipeline voran, einschließlich Tunnelarbeiten, Installation und Tests. Erste hydraulische Tests begannen entlang des unteren Abschnitts, während die Vorbereitungen für hydrostatische Tests am oberen Abschnitt fortgesetzt wurden. Die Vorkommissionierung schritt auch am Ausbau der Entsalzungsanlage voran, parallel zur Verlegung von Elektrokabeln und Arbeiten an der Pumpanlage.
Beim Zaldívar-Wasserversorgungsprojekt setzten die Mannschaften den Bau der Lagerstättenlager fort, erhielten wichtige Rohrleitungsmaterialien und begannen mit ersten Erdarbeiten für die Hochspannungs-Leitung.
Mit Annäherung an die Inbetriebnahme waren sich die Analysten einig, dass die nächste Herausforderung für Antofagasta darin bestehen wird, den Fortschritt im Bau in nachhaltiges Produktionswachstum umzusetzen und gleichzeitig die Kosten zu kontrollieren, die ihre Prognose bereits belasten.
Kurz erklärt
- Guidance: Eine von einem Unternehmen veröffentlichte Prognose für künftige Kennzahlen wie Produktionsmenge oder Kosten.
- Cash Costs: Die reinen Barzahlungskosten der Produktion, hier vor Abzug von Gutschriften aus dem Verkauf von Nebenprodukten.
- EBITDA: Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation, eine Kennzahl zur Beurteilung der operativen Ertragskraft.
