Anleger bleiben vor Weihnachten vorsichtig
Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

Die Anleger auf dem deutschen Aktienmarkt haben sich inmitten überschaubarer Schwankungen im DAX vor den Weihnachtsfeiertagen zurückgehalten. Das Fehlen neuer Impulse nach der jüngsten Rally führte dazu, dass viele Investoren Gewinne mitnahmen. Der DAX zeigte den gestrigen Tag über keine klare Richtung und schloss schließlich bei 16.687 Punkten, was einem moderaten Rückgang von 0,27 Prozent entsprach. Die Handelsschwankungen bewegten sich zwischen 16.624 und 16.708 Punkten, und die Anleger scheuten kurz vor der Weihnachtspause neue Risiken. Dadurch rückte die in der Vorwoche erreichte Rekordmarke von 17.000 Punkten vorerst in die Ferne, obwohl es bisher keine größeren Korrekturen gab. Am Vortag hatte der DAX ebenfalls im Minus bei 16.733 Punkten geschlossen, während der MDAX der mittelgroßen Werte um 0,49 Prozent auf 27.219 Punkte fiel.
Das Fehlen vieler Marktteilnehmer in der Vorweihnachtszeit und zum Jahresende hat dazu geführt, dass das Handelsvolumen deutlich gesunken ist und die Volatilität auf niedrigem Niveau verharrt. Andreas Lipkow, Marktbeobachter, betonte: "Die bevorstehenden Feiertage werfen bereits ihre Schatten voraus, und in den verbleibenden vier Handelstagen werden kaum noch größere Ereignisse oder Handelsimpulse erwartet."
Trotz der aktuellen Schwäche verzeichnet die Börse im Jahr 2023 immer noch einen Anstieg von rund 20 Prozent. Die massiven Zinshoffnungen, die das Schlussquartal maßgeblich angetrieben haben, sind jedoch bereits eingepreist, und Investoren zögern, größere Risiken einzugehen, solange neue Impulse ausbleiben. Insbesondere die Frage, wann die Notenbanken tatsächlich mit Zinssenkungen beginnen werden, bleibt unbeantwortet. In dieser Hinsicht scheint die Stimmung an der Börse besser zu sein als die tatsächliche wirtschaftliche Lage.
Die Wall Street verzeichnete einen Aufschwung, unterstützt durch die Erwartungen an eine Zinsänderung. Die großen US-Indizes, darunter der Dow Jones und der S&P-500, legten um rund 0,6 Prozent zu, während an der Nasdaq Gewinne von knapp einem Prozent verzeichnet wurden. Im Gegensatz dazu konnte der deutsche Leitindex DAX nicht von der positiven Stimmung in New York profitieren.
Experten hatten zuletzt positiv über die Entwicklung der US-Wirtschaft gesprochen, die sich trotz der kräftigen Zinserhöhungen der Notenbank nicht in eine Rezession bewegt hatte. Die aktuellen Daten bestätigen diesen Trend, da die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe weniger gestiegen ist als erwartet. Die Wirtschaft wuchs im Sommer etwas schwächer als zuvor geschätzt, und das Geschäftsklima in der US-Region Philadelphia verschlechterte sich im Dezember erheblich. Schwache Wirtschaftsdaten erhöhen die Hoffnung auf Zinssenkungen.
Der Flugzeughersteller Boeing erhielt nach langem Stillstand die Genehmigung, Mittelstreckenjets der 737-Max-Reihe nach China zu liefern. Die chinesische Zivilluftfahrtbehörde CAAC hat die entsprechende Genehmigung erteilt, was Boeing einen Anstieg seiner Aktien um gut ein halbes Prozent bescherte. Zudem gab China die Auslieferung des ersten Großraumjets vom Typ 787 "Dreamliner" seit mehr als zweieinhalb Jahren frei.
Der Euro verzeichnete Gewinne gegenüber dem US-Dollar. Am späten Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung zu 1,0988 Dollar gehandelt, nachdem sie am Morgen noch knapp unter diesem Wert lag. Diese Entwicklung wurde durch eine Schwäche des US-Dollars ausgelöst, da das Wirtschaftswachstum in den USA im Sommerquartal schwächer ausfiel als erwartet und der Preisauftrieb nachließ. Diese Daten erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed.
Die Ölpreise für die Nordseesorte Brent und die US-Sorte WTI fielen um etwa 0,7 Prozent, nachdem Angola angekündigt hatte, aus der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) auszutreten. Angola erklärte, die Mitgliedschaft sei nicht im nationalen Interesse, da das Land innerhalb des Kartells keine relevante Rolle spiele. Die Entscheidung folgt auf die jüngsten Produktionskürzungen, die von Saudi-Arabien und Russland initiiert wurden und von einigen afrikanischen Ländern, einschließlich Angola, abgelehnt wurden.
Die Gewinnmitnahmen im Autosektor setzten sich fort, und die Branche war der größte Verlierer im europaweiten Vergleich. Im DAX verloren die Aktien der Porsche-Holding, Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz an Wert. Der Sektor hatte in den letzten Wochen von der Aussicht auf sinkende Leitzinsen profitiert, da niedrigere Zinsen die Autoverkäufe begünstigen, da viele Fahrzeuge auf Kredit gekauft werden.
