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Aktien selbst auswählen: Warum Anleger es trotzdem versuchen

Über 80 % der aktiv verwalteten Fonds scheitern am Vergleichsindex – und dennoch zocken Privatanleger munter weiter.

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Aktien selbst auswählen: Warum Anleger es trotzdem versuchen

Stockpicking ist eine der beliebtesten Beschäftigungen unter Privatanlegern – und gleichzeitig eine der am schlechtesten dokumentierten Erfolgsstrategien. Die Zahlen sind eindeutig: Mehr als 80 % der aktiv verwalteten Publikumsfonds schaffen es nicht, ihren Vergleichsindex langfristig zu übertreffen. Das gilt für professionelle Fondsmanager mit jahrelanger Erfahrung, umfangreichen Analyseteams und modernster Technologie. Für den privaten Einzelanleger sieht die Bilanz in der Regel noch schlechter aus.

Trotzdem lassen sich Millionen von Anlegern weltweit nicht davon abbringen, einzelne Aktien auszuwählen, auf Kursanstiege zu setzen und im besten Fall am Höchstpunkt zu verkaufen. Dieses Verhalten ist kein Zeichen von Unwissenheit – viele Privatanleger sind sich der statistischen Realität durchaus bewusst. Es ist vielmehr ein psychologisches Phänomen, das tief in der menschlichen Natur verwurzelt ist.

Der Reiz des Stockpickings

Die Faszination, eine Aktie zu entdecken, die den Markt schlägt, ist für viele Anleger schlicht zu groß, um ihr zu widerstehen. Das Gefühl, eine Gewinneraktie früh erkannt zu haben, erzeugt einen emotionalen Mehrwert, der weit über den rein finanziellen Gewinn hinausgeht. Dieses „Vergnügen" – wie es in der Finanzliteratur mitunter bezeichnet wird – ist ein wesentlicher Antrieb für das aktive Handeln.

Hinzu kommt das sogenannte Overconfidence-Phänomen: Viele Menschen überschätzen systematisch ihre eigenen Fähigkeiten, insbesondere in Bereichen, in denen sie sich als informiert betrachten. Wer regelmäßig Wirtschaftsnachrichten liest, Geschäftsberichte studiert oder Branchentrends verfolgt, neigt dazu zu glauben, einen Informationsvorsprung gegenüber dem Markt zu besitzen – obwohl der Markt diese Informationen in der Regel bereits eingepreist hat.

Aktiv vs. Passiv: Ein alter Streit

Die Debatte zwischen aktivem und passivem Investieren ist so alt wie die modernen Kapitalmärkte selbst. Passive Anlagestrategien – etwa über kostengünstige Indexfonds oder ETFs – bilden einfach einen Marktindex nach und verzichten auf den Versuch, einzelne Gewinner zu identifizieren. Die Datenlage spricht klar für diesen Ansatz: Wer langfristig in einen breit gestreuten Index investiert, schlägt statistisch gesehen die große Mehrheit der aktiven Anleger.

Dennoch hat das passive Investieren einen entscheidenden Nachteil aus Sicht vieler Anleger: Es ist schlicht weniger aufregend. Kein Nervenkitzel beim Kauf einer vielversprechenden Aktie, kein Triumph beim rechtzeitigen Verkauf vor einem Kurseinbruch. Für viele Menschen ist das Investieren nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern auch ein Hobby – und Hobbys sollen Spaß machen.

Wie man beides vereinen kann

Eine in der Finanzberatung verbreitete Empfehlung lautet, den inneren Trader zu befriedigen, ohne die langfristigen Anlageziele zu gefährden. Das bedeutet konkret: Den Großteil des Portfolios – etwa 80 bis 90 % – in passive, breit gestreute Anlagen zu investieren und nur einen kleinen, klar definierten Anteil für aktives Stockpicking zu reservieren.

Dieser Ansatz erlaubt es Anlegern, am „Spiel" teilzunehmen, ohne das gesamte Vermögen dem Risiko auszusetzen, dauerhaft hinter dem Markt zurückzubleiben. Die Verluste aus dem aktiven Teil bleiben begrenzt, während der passive Kern des Portfolios langfristig stabile Renditen liefert. So lässt sich der Wunsch nach aktivem Handeln mit den Erkenntnissen der Finanzwissenschaft in Einklang bringen – eine pragmatische Lösung für ein zutiefst menschliches Dilemma.

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