Aktien-Futures gemischt: Tech-Erholung trifft auf Asien-Schwäche
Die US-Futures notieren uneinheitlich, während asiatische Chip-Werte einbrechen und die Ölpreise wegen Nahost-Spannungen steigen.

Die US-Aktien-Futures zeigten sich am frühen Dienstag gemischt, nachdem die Wall Street in der vorangegangenen Sitzung überwiegend im Plus geschlossen hatte. Anleger kehrten nach dem heftigen Ausverkauf der Vorwoche wieder in Technologiewerte zurück. Die Futures des S&P 500 lagen flach, die Nasdaq-100-Futures sanken um 0,2 Prozent. Die Futures des Dow Jones Industrial Average handelten mit einem Plus von 94 Punkten beziehungsweise 0,18 Prozent.
Im regulären Handel am Montag kletterte der S&P 500 um 0,4 Prozent, während der Nasdaq Composite um mehr als 1 Prozent stieg und der Technologiesektor die Führung übernahm. Nvidia legte um 1,4 Prozent zu, Tesla sprang um 3,8 Prozent an, und die Aktien von Alphabet stiegen um etwa 1 Prozent.
Die Details
In Asien setzten die Märkte ihre Talfahrt fort und widersprachen damit der nächtlichen Erholung an der Wall Street. Japans Nikkei 225 verlor 0,79 Prozent, Südkoreas KOSPI büßte 2,31 Prozent ein. Australiens S&P/ASX 200 notierte 0,6 Prozent niedriger, Hongkongs Hang Seng Index fiel um 1,11 Prozent, und Chinas CSI 300 gab 0,58 Prozent nach.
Besonders stark traf es die asiatischen Chip-Werte. Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller SK Hynix sank um 4,07 Prozent, Samsung Electronics verlor 1,03 Prozent. In Japan stürzte der Tech-Investor SoftBank Group um 4,46 Prozent ab, der Chip-Ausrüstungshersteller Tokyo Electron fiel um 1,45 Prozent, Renesas Electronics um 1,49 Prozent. Diese Rückgänge stehen im Kontrast zur US-Entwicklung, wo Nvidia um 1,4 Prozent zulegte, Intel um 2 Prozent stieg und Advanced Micro Devices sowie Micron jeweils um 1,8 Prozent beziehungsweise etwa 3 Prozent gewannen.
Der Technologiesektor hatte in der vergangenen Woche unter einem massiven Ausverkauf gelitten, der auf den breiteren Markt übergriff. Hintergrund sind wachsende Bedenken, dass Unternehmen für ihren Ausbau im Bereich künstliche Intelligenz zu viel Geld aufnehmen. "Die verbesserte Stimmung hinsichtlich der Aussichten moderner Technologie lässt die Wall Street aufatmen, da Teilnehmer ihre Absicherungen abbauen, nachdem die Kosten für Volatilitätsschutz am Freitag intraday in die Höhe geschossen waren, bevor der Ausverkauf weiter intensivierte", schrieb Jose Torres, Senior Economist bei Interactive Brokers.
CoreWeave, das in der vergangenen Woche um mehr als 25 Prozent gefallen war, versuchte nach einer Aufstufung durch Goldman Sachs auf "Kaufen" einen Teil dieses Verlusts zu kompensieren. Die anfänglichen Gewinne verflachten jedoch, und die Aktie schloss leicht im Minus. Der Kreditmarkt bleibt nervös: Die Renditen auf Oracle-Anleihen blieben hoch, und die fünfjährigen Credit Default Swaps von CoreWeave befanden sich in distressed Levels. Die Aktie erreichte ein 52-Wochen-Tief.
Am Dienstag werten Anleger eine Fülle von Unternehmensergebnissen aus. United Airlines berichtet nach Börsenschluss, General Motors veröffentlicht seine Zahlen vor Eröffnung der Kurse. Insgesamt legt rund 70 S&P-500-Unternehmen in dieser Woche Ergebnisse vor. Zudem stehen Daten zu Baubeginnszahlen (Housing Starts) und ausstehenden Hausverkäufen auf der Agenda.
Auch abseits der USA gab es marktbewegende Nachrichten. Indonesiens Leitindex Jakarta Composite Index erholte sich am Dienstag um 3 Prozent, nachdem die Börse des Landes Pläne ankündigte, Unternehmen mit stark konzentriertem Eigentum aus dem Index auszuschließen. Der Schritt folgt dem Sturz des Indexes auf ein Sechs-Jahres-Tief in der vorherigen Sitzung und zielt darauf ab, ein potenzielles Downgrade durch den Indexanbieter MSCI auf den Status "Standalone Market" zu vermeiden.
In Indien stieß der Börsengang von Jio Platforms auf enorme Nachfrage. Das Anchor-Buch des Unternehmens wurde mehr als 30-fach überzeichnet und zog Angebote von führenden Asset-Managern wie BlackRock, Capital Group und GIC an. Das von Meta und Google unterstützte Telekommunikations- und Digitalunternehmen plant, bis zu 302 Milliarden Rupien (3,2 Milliarden US-Dollar) über den bisher größten IPO Indiens in Rupien einzusammeln. Das Anchor-Buch erhielt Angebote im Wert von 2,5 Billionen Rupien (26,3 Milliarden US-Dollar) für den 81,1 Milliarden Rupien umfassenden Anteil. Jio legte die Zuteilung von 72,47 Millionen Stammaktien an Anchor-Investoren zu 1.119 Rupien pro Aktie fest, was der oberen Grenze des Preiskorridors entspricht.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Gemengelage reiht sich in eine Serie ähnlicher Berichte ein. Bereits am 29.09.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Aktienindex-Futures seitwärts notierten, weil steigende Rohölpreise und steile Anleiherenditen die Risikobereitschaft der Anleger im Zaum hielten. Am 06.10.2026 meldete aktien.news, dass die US-Aktien-Futures leicht zulegten, nachdem der Nasdaq Composite ein neues Allzeithoch und einen Schlussrekord erreicht hatte. Am 21.07.2026 hieß es, die US-Aktienfutures hätten zugelegt, während sich Anleger vor den Quartalsergebnissen großer Technologieunternehmen auf eine Erholung des Tech-Sektors positionierten. Und am 27.07.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Aktienfutures nach einer Kampfpause zwischen den USA und dem Iran zugelegt hätten, während die Ölpreise deutlich nachgaben.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt sich ein gespaltenes Bild. Während die US-Technologiewerte nach dem Ausverkauf wieder Boden gutmachen, bleiben die Kreditmärkte angespannt. Die hohen Renditen auf Oracle-Anleihen und die distressed Credit Default Swaps von CoreWeave deuten darauf hin, dass die Finanzierungskosten im KI-Segment ein Risikofaktor bleiben. Die asiatischen Chip-Werte spiegeln diese Skepsis und belasten die Stimmung in der Region.
Auch in Europa bleibt die Lage fragil. Frankreichs CAC-40-Index soll laut IG-Futuresdaten am Dienstag mit einem Minus eröffnen, nachdem er am Montag um 1,1 Prozent gefallen war. Der französische Aktienmarkt hat in diesem Jahr deutlich hinter seinen europäischen Pendants zurückgeblieben – belastet durch politische Volatilität und soziale Unruhen über die Lebenshaltungskosten, die am Wochenende in Massenprotesten gipfelten. Analysten nannten gegenüber CNBC höhere Renditen staatlicher Anleihen, die sich verbreiternde Differenz zu Deutschland sowie einen Einbruch beim Luxusverbrauch als Gründe. Auch Großbritanniens FTSE 100, Deutschlands DAX und Italiens MIB sollen mit roten Zahlen eröffnen.
Ausblick
Am Dienstag stehen die Ergebnisse von General Motors vor Handelsbeginn und von United Airlines nach Börsenschluss im Fokus. Mit rund 70 S&P-500-Unternehmen in dieser Woche ist es eine ereignisreiche Earnings-Woche. Zusätzlich werden Daten zu Baubeginnszahlen und ausstehenden Hausverkäufen veröffentlicht.
In Großbritannien rückt die Zinsentscheidung der Bank of England in den Fokus. Die britischen Löhne ohne Bonuszahlungen stiegen im Dreimonatszeitraum bis August um 3,7 Prozent im Jahresvergleich und übertrafen damit knapp die von Reuters befragten Ökonomen prognostizierten 3,6 Prozent. Die BoE plant, ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4 Prozent anzuheben. Gouverneur Andrew Bailey sagte in der vergangenen Woche, je länger der Iran-Krieg andauere, desto schwieriger werde es für die BoE, nicht zu reagieren. Er betonte jedoch, es handele sich noch um die "Anfangsphase", und die Inflationsdrucke blieben "ziemlich gedämpft".
Am Ölmarkt stiegen die Preise leicht. Brent-Rohöl-Futures legten um 0,14 Prozent auf 109,70 US-Dollar pro Barrel zu, die WTI-Futures für November-Lieferung um 0,25 Prozent auf 103,92 US-Dollar. Iran-nahe Huthi-Rebellen hatten die Angriffe gegen Saudi-Arabien eskaliert und am Montag nach eigenen Angaben den King Khalid International Airport, den Flughafen Abha, Anlagen von Saudi Aramco in Yanbu, das Shaybah-Ölfeld und saudische Marinekräfte angegriffen. Die Aussicht auf zusätzliche russische Lieferungen hielt die Preise jedoch in Schach: US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag mehrere sanktionsbedingte Einschränkungen im Zusammenhang mit Russland aufgehoben, wodurch Länder wie Indien Energie aus Moskau kaufen können.
Kurz erklärt
- Futures: Terminkontrakte auf einen Index, die den erwarteten Eröffnungskurs des Marktes widerspiegeln.
- Credit Default Swaps: Versicherungsinstrumente gegen den Ausfall eines Schuldners, deren Preise das Kreditrisiko anzeigen.
- Basispunkt: Kleinste Maßeinheit für Zinssätze, ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel Prozentpunkt.
