Airbus-Aktie schwächelt trotz Boeings Krisen
Investoren reagieren auf Lieferprobleme und angepasste Produktionsziele positiv.

Der Flugzeughersteller Airbus erlebt derzeit eine gemischte Phase auf dem Aktienmarkt. Nachdem die Airbus-Aktie zwischen Januar und März dieses Jahres um beeindruckende 31 Prozent gestiegen war und einen neuen Fünf-Jahres-Höchststand von 171,92 Euro erreicht hatte, ging es danach wieder abwärts. Dies ist überraschend, da der Hauptkonkurrent Boeing mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat. Ein Vorfall, bei dem ein Seitenpanel einer Boeing-Maschine während des Fluges herausgerissen wurde, führte zu einem erneuten Stopp bei der Auslieferung neuer Jets. Zusätzlich wird Boeing vom US-Justizministerium Betrug vorgeworfen, da das Unternehmen angeblich gegen Compliance-Auflagen verstoßen hat. Solche Nachrichten führen normalerweise dazu, dass die Aktien von Wettbewerbern wie Airbus steigen, besonders in einem Markt, der von nur zwei großen Herstellern dominiert wird.
Die Airbus-Aktie konnte jedoch nicht von der Schwäche Boeings profitieren. Dies hat zwei Hauptgründe. Erstens ist die Fertigung bei Airbus für die nächsten zehn Jahre vollständig ausgelastet, was bedeutet, dass enttäuschte Boeing-Kunden nicht einfach zu Airbus wechseln können. Zweitens hat Airbus selbst mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen. Das Unternehmen kann nicht so viele Flugzeuge liefern wie geplant, da die Zulieferkette stark fragmentiert ist und Schwierigkeiten hat, die Produktion von Teilen und Komponenten zu erhöhen. Dies führt zu Engpässen bei Triebwerken und Kabinenteilen.
Die Airbus-Führung unter Guillaume Faury hielt zunächst an dem Ziel fest, in diesem Jahr 800 Verkehrsflugzeuge auszuliefern. Doch seit April verstärkte sich bei den Investoren der Eindruck, dass die Lieferengpässe gravierender sind als bisher angenommen, was die Aktie unter Druck setzte. Am 24. Juni bestätigte Airbus schließlich, dass das Lieferziel auf 770 Flugzeuge revidiert werden muss. Die Aktie reagierte prompt mit einem Einbruch von über zehn Prozent. Analysten wie Victor Allard von Goldman Sachs sprachen von einer langsameren Steigerung von Volumen und Profitabilität.
Trotz dieser Herausforderungen bleibt der Optimismus unter den Analysten weit verbreitet. Viele haben ihre Kursziele zwar gesenkt, raten aber weiterhin zum Kauf der Aktie. So sieht Holger Schmidt die Aktie trotz der enttäuschenden Prognosesenkung weiterhin als aussichtsreich an. David Perry von JP Morgan senkte ebenfalls sein Kursziel, hielt aber an seiner Kaufempfehlung fest, da die Warnungen bereits eingepreist seien.
Um den Druck aus der Lieferkette zu nehmen, hat Airbus seine Produktionsziele angepasst. Die monatliche Produktionsrate der A320-Familie soll erst 2027 und nicht wie ursprünglich geplant 2026 erhöht werden. Zudem hat Airbus Teile des US-Zulieferunternehmens Spirit Aerosystems übernommen, um die eigene Lieferkette zu stabilisieren. Obwohl diese Integration eine Herausforderung darstellt, wird der Deal von Investoren positiv bewertet, da er die Lieferkette von Airbus absichert.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass Airbus trotz der aktuellen Probleme das modernere und attraktivere Fluggerät im Vergleich zu Boeing anbietet. Da Boeing weiterhin mit seiner Krise und einer schwachen Bilanz zu kämpfen hat, könnte Airbus langfristig profitieren.
