Adnoc übernimmt Mehrheit an Covestro
Arabischer Staatskonzern plant Chemie-Expansion und grüne Transformation

Der arabische Ölkonzern Adnoc hat sich erfolgreich die Mehrheit am deutschen Kunststoffhersteller Covestro gesichert. Bis zum Ablauf der Frist am vergangenen Mittwoch wurden rund 70 Prozent der Aktien des Unternehmens angedient, wie Adnoc am Montag mitteilte. Das Angebot belief sich auf 62 Euro pro Aktie, wodurch die Araber ihr Ziel von 50 Prozent plus einer Aktie übertroffen haben. Die Übernahme markiert einen bedeutenden Schritt in der Geschichte der deutschen Wirtschaft und ist die erste Großübernahme eines DAX-Unternehmens durch einen staatlichen Investor vom Persischen Golf. Mit einem Volumen von 11,6 Milliarden Euro stellt der Deal zudem die größte Transaktion in der europäischen Chemieindustrie seit Jahren dar.
Adnoc sieht in der Übernahme von Covestro einen entscheidenden Schritt, um in die globale Spitzenliga der Chemieindustrie aufzusteigen. Hierfür wurde die Investmentgesellschaft XRG gegründet, die Covestro als Tochtergesellschaft integrieren wird. XRG plant, durch weitere Übernahmen zu den weltweit fünf größten Chemiekonzernen zu zählen. Neben dem Ausbau der Chemiesparte will Adnoc durch die neue Gesellschaft auch in grüne Energietechnologien investieren. Die Araber streben weiterhin eine vollständige Übernahme und ein anschließendes De-Listing von Covestro an. Aktionäre, die das Angebot nicht bis zum 16. Dezember annehmen, könnten einem Squeeze-out unterliegen, falls Adnoc die Schwelle von 95 Prozent der Stimmrechte erreicht.
Neben den verbleibenden Aktienverkäufen stehen Adnoc regulatorische Prüfungen in mehreren Ländern bevor, darunter die EU und die USA. Kartellrechtliche Probleme werden nicht erwartet, da Adnoc bislang kaum in den Geschäftsfeldern von Covestro aktiv ist. Die Bundesregierung wird den Deal prüfen, gilt jedoch als positiv gegenüber Adnoc eingestellt, da die Vereinigten Arabischen Emirate ein verlässlicher Handelspartner Deutschlands sind. Sicherheitsbedenken, wie sie bei früheren Übernahmen anderer Unternehmen auftraten, spielen hier keine Rolle.
Mit der Übernahme sichert sich Adnoc eine Plattform für die grüne Transformation der Chemieindustrie. Covestro gilt als Vorreiter bei der Nutzung erneuerbarer Rohstoffe und der Kreislaufwirtschaft. Adnoc hat zugesichert, den deutschen Standort zu erhalten und betriebsbedingte Kündigungen bis 2032 auszuschließen. Zudem bleibt Covestro als deutsche Aktiengesellschaft bestehen. Für die Mitarbeiter und den Vorstand des Unternehmens ergeben sich zunächst keine unmittelbaren Veränderungen, doch langfristige Pläne der Araber bleiben ungewiss.
