ADM-Aktie unter Druck: Gewinnprognose 2026 verfehlt Erwartungen deutlich
Unsicherheit bei US-Biokraftstoffpolitik und schwache Sojamargen belasten Getreidehändler – Aktie fällt vorbörslich um über 4 Prozent.

Der US-Getreidehändler Archer-Daniels-Midland (ADM) hat am Dienstag eine enttäuschende Gewinnprognose für das laufende Jahr vorgelegt. Das Unternehmen rechnet mit einem bereinigten Gewinn pro Aktie zwischen 3,60 und 4,25 Dollar – der Mittelwert liegt damit unter den Analystenerwartungen von 4,24 Dollar. Die Aktie reagierte mit einem Kursrückgang von 4,25 Prozent im vorbörslichen Handel.
Die schwache Prognose steht im Zusammenhang mit anhaltenden Unsicherheiten in der US-Biokraftstoffpolitik und globalen Handelsverwerfungen. Diese Faktoren hatten bereits 2025 die Geschäftsentwicklung belastet. Für das abgelaufene Jahr meldete ADM einen bereinigten Gewinn von 3,43 Dollar je Aktie.
Im vierten Quartal 2025 erzielte ADM einen bereinigten Gewinn von 87 Cent pro Aktie – ein deutlicher Rückgang gegenüber 1,14 Dollar im Vorjahresquartal. Allerdings übertraf das Ergebnis die Konsensschätzung der Analysten von 80 Cent. Es war der schwächste bereinigte Quartalsgewinn seit 2019.
Sojaverarbeitung unter Druck
Besonders stark betroffen war das größte Unternehmenssegment Agricultural Services and Oilseeds. Sinkende Verarbeitungsmargen für Sojabohnen in Nord- und Südamerika sowie schwache US-Sojabohnenexporte schmälerten die Profitabilität erheblich. Ein globales Überangebot an Getreide hat die Preise für Hauptanbaufrüchte wie Mais und Sojabohnen auf mehrjährige Tiefststände gedrückt.
Diese Entwicklung trifft nicht nur ADM, sondern auch Wettbewerber wie Bunge und Cargill. Hinzu kommen die Auswirkungen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, die zusätzliche Unsicherheit in den globalen Getreidemärkten erzeugen.
Verzögerungen bei Biokraftstoff-Richtlinien
Ein zentrales Problem bleibt die verzögerte Finalisierung der US-Biokraftstoffrichtlinien. Die Trump-Administration plant laut Reuters, die lange aufgeschobenen Beimischungsquoten für 2026 bis Anfang März zu veröffentlichen. Diese Verzögerungen haben dazu geführt, dass Biokraftstoffhersteller und Zulieferer wie ADM Investitionsentscheidungen zurückstellen.
Die Unsicherheit bremst den Einsatz von Rohstoffen wie Sojaöl, das in ADM-Verarbeitungsanlagen produziert wird. CEO Juan Luciano zeigte sich dennoch optimistisch: Sobald die politischen Rahmenbedingungen geklärt seien, sollten sich die operativen Bedingungen 2026 verbessern.
Regulatorische Altlasten beigelegt
Parallel zur schwachen Prognose konnte ADM einen jahrelangen Bilanzskandal abschließen. Das Unternehmen einigte sich mit der US-Börsenaufsicht SEC auf eine zivilrechtliche Strafe von 40 Millionen Dollar. Die SEC hatte ADM vorgeworfen, die Performance eines wichtigen Geschäftsbereichs aufgebläht zu haben. Das Justizministerium stellte seine strafrechtlichen Ermittlungen ein. ADM musste seine Finanzberichte zweimal korrigieren.
