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ABB: Vom Beinahe-Kollaps zum KI-Infrastruktur-Gewinner

ABB erlebt einen spektakulären Turnaround – doch bei einem KGV von 27x stellt sich die Frage nach dem weiteren Aufwärtspotenzial.

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ABB: Vom Beinahe-Kollaps zum KI-Infrastruktur-Gewinner

ABB zählt zu den bemerkenswertesten Unternehmensgeschichten der europäischen Industrielandschaft. Der schweizerisch-schwedische Konzern stand zur Jahrtausendwende kurz vor dem Kollaps – zu schnelles, zu hartes und zu hohes Wachstum hatte das Unternehmen in eine gefährliche Schieflage gebracht. Zwischen 1995 und 2005 wurde die Belegschaft halbiert, bevor eine radikale Neuausrichtung den Konzern rettete.

Heute konzentriert sich ABB auf drei Kernbereiche: Elektrifizierung, Antriebstechnik (Motion) und Automation. Diese Segmente sind exakt auf die Bedürfnisse der aktuellen Industrietransformation zugeschnitten. Unter der Führung von CEO Björn Rosengren hat ABB seine Profitabilität wiederhergestellt und das Vertrauen der Investoren zurückgewonnen.

Rechenzentren als Wachstumsmotor

Der entscheidende Treiber hinter dem jüngsten Aufstieg ist die Künstliche Intelligenz – genauer gesagt der explodierende Strombedarf der dafür notwendigen Rechenzentren. Die Stromversorgung dieser Anlagen ist zu einem massiven Engpass geworden, von dem ABB als Zulieferer direkt profitiert. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Aufträge des Konzerns in den USA um beeindruckende 67 Prozent.

Besonders bedeutsam für Anleger: Der Auftragsbestand wuchs um 22 Prozent. Bei Lieferzeiten von 12 bis 24 Monaten bietet dies eine solide Visibilität für künftige Umsätze und Gewinne. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass sich der Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 mehr als verdoppeln wird – ein struktureller Rückenwind, der ABB noch Jahre begleiten dürfte.

Auch die anderen Segmente entwickeln sich positiv: Der Bereich Motion verzeichnete einen Auftragszuwachs von 9 Prozent. Im Segment Automation fiel das Wachstum mit 5 Prozent moderater aus, wird jedoch durch eine robuste Nachfrage im Schifffahrts- und Hafensektor gestützt. Die Parallelen zu Schneider Electric sind dabei frappierend – beide Unternehmen profitieren vom selben strukturellen Rückenwind, und die Aktienkursbewegungen der vergangenen fünf Jahre ähneln sich stark.

Bewertung lässt kaum Spielraum für Fehler

Trotz der überzeugenden operativen Entwicklung richtet sich der kritische Blick auf die Bewertung. ABB wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 27x gehandelt – für einen Industriekonzern ein ambitioniertes Niveau. Die jahrelange Restrukturierung hat die Margenausweitung und Kostenoptimierung weitgehend ausgereizt. Der Enthusiasmus des Marktes für ABBs Positionierung in der Rechenzentrum-Lieferkette hat den Rest erledigt.

Die zentrale Frage lautet nun: Welche Wachstumshebel bleiben dem Unternehmen noch? Das mit der KI-Infrastruktur verbundene Umsatzwachstum scheint bereits im Aktienkurs eingepreist zu sein. Analysten erwarten zudem, dass der Gewinn pro Aktie (EPS) in den kommenden Jahren ein Plateau erreichen wird. Bei einem KGV von 27x ist der Spielraum für Enttäuschungen praktisch gleich null.

Was bleibt, ist die Zugehörigkeit zur breiteren KI-Familie – ein Faktor, der Bewertungsmultiplikatoren in der gesamten Branche nach oben treibt. Wer ABB auf dem aktuellen Kursniveau kauft, wettet damit im Wesentlichen auf die Fortsetzung eines technologischen Superzyklus rund um KI-Infrastruktur und Rechenzentren. Das kann aufgehen – birgt aber bei jeder Gewinnveröffentlichung wachsenden Druck, die hohen Erwartungen zu erfüllen.

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